Pferde in Stellung und Biegung Reiten

„Mein Pferd verwirft sich im Genick“. „Die Linksbiegung ist auch ein Problem“.
So lauten oftmals die Auskünfte von Pferdebesitzern in meiner Praxis. Oft haben wir beim Reiten Probleme in der Stellung und Biegung des Pferdes. Aber woran liegt das eigentlich?

Das Genick ist ein äußerst sensibler Bereich des Pferde­körpers. Ein Blick auf die Anatomie und Biomechanik hilft zu verstehen, warum eine ­korrekte Einwirkung auf das Pferd so wichtig ist.

„Du musst dein Pferd durchs ­Genick reiten“ – dieser Satz wird im täglichen Training oft falsch verstanden. Wer versucht, durch Handeinwirkung eine bestimmte Kopf-Hals-Haltung zu erzwingen, arbeitet gegen das Pferd. Die Folge sind Verspannungen, Fehlhaltungen und Blockaden, die mit starken Schmerzen einhergehen können.

Hier ist übrigens die YouTube-Variante dieses Artikels, falls du lieber Videos schaust als Texte zu lesen

Die Anatomie

Das Genick des Pferdes besteht aus zwei Kopfgelenken.
Das obere (erste) Kopfgelenk (Art. Atlantoocipitalis) verbindet den Schädel (Occiput) mit dem ersten Halswirbel dem Atlas. Das Gelenk ist ein Ellipsoidgelenk und damit für die Beugung und Streckung des Kopfes zuständig. Blockaden in diesem Bereich oder auch starke Verspannungen der Nackenmuskulatur können zur verminderten Durchblutung des Gehirns und damit zu einer Trigeminus Neuralgie (besser bekannt als „Head- Shaking“) führen. Das Pferd schüttelt dabei, durch den Nervenschmerz verursacht, ständig mit dem Kopf.

Das untere (zweite) Kopfgelenk (Art. Atlantoaxiale) verbindet den 1. Halswirbel (Atlas) mit dem 2. Halswirbel (Axis). Die Verbindung (Gelenk) ist ein Zapfengelenk. Somit ist eine Rotation zwischen beiden Wirbeln möglich. Das heißt der Atlas rotiert um den Axis. Genau dieses Gelenk ist vorrangig für die Stellung unserer Pferde verantwortlich.
Liegt in diesem Bereich eine Blockade vor, kommt es dazu das Pferde sich im Genick verwerfen.

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Die Biegung ist eine Kettenreaktion

Ohne korrekte Stellung kann sich der Pferderumpf nicht mehr richtig biegen. Denn im Pferdekörper hängen, wie beim Menschen auch, alle Teile zusammen. Die Drehung im Genick löst eine Kettenreaktion in der Wirbelsäule aus, die sich bis zum Becken fortsetzt. Wenn der Hals des Pferdes bei korrekt gestelltem Genick gebogen wird, kann man von oben gut erkennen, wie diese Biegung bis zur Kruppe wandert.
Sollte also die genannten Probleme bei Reiten auftreten, sollte man einmal das zweite Kopfgelenk (Art. Atlantoaxiale) überprüfen lassen. Manchmal können unsere Pferde einfach nicht das leisten, was wir uns von Ihnen wünschen, weil ein anatomisches Problem vorliegt.

Behandlungsmöglichkeiten

Blockaden in den Kopfgelenken kann man sehr gut manualtherapeutisch, osteopathisch der chiropraktisch behandeln. Entstandene Spasmen oder Atrophien der Muskulatur zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel (M. obliquus capitis), die für die Drehbewegung des Kopfes zuständig sind, können zusätzlich durch manuelle Muskeltherapie und/ oder eine entsprechende Tapinganlage gelöst werden. Zudem sollte auch immer eine Reiterschulung vorgenommen werden, die oft die Ursache des Problems ist.

Tapinganlage M. Obliquus capitis


Zum Ausprobieren

Wenn ihr übrigens selbst einmal testen wollt, wie geschmeidig Euer Pferd im Genick bzw. im 2. Kopfgelenk ist, probiert doch einmal folgendes aus:

  1. Stellt Euch unter den Hals Eures Pferdes
  2. Legt Eure Hände links und rechts ungefähr zwei handbreit hinter den Ohren auf den Hals
  3. Eine zweite Person stellt Euer Pferd einmal nach links und nach rechts vorsichtig im Genick
  4. Ihr fühlt jeweils wenn der Wirbel „umspringt“.

    Viel Spaß beim Ausprobieren!

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